Gastbeitrag von Lea Hohmann
„In unserer Familie hat sich alles um Naturschutz gedreht. Privatleben gab es nicht. Jeder Spaziergang war eine naturkundliche Wanderung“ - mit diesen eindrucksvollen Worten von Kathrin Succow, Tochter von Prof. Dr. Michael Succow, eröffnete Ulrike Schade, Leiterin der Thüringer Verwaltungsstelle UNESCO-Biosphärenreservat Rhön in der Propstei Zella/Rhön einen Filmabend, der rund 60 Gäste in seinen Bann zog.
Getragen vom großen Interesse am vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilm „Wie geht Natur?! – Können wir die Welt verändern?“ und dem anschließenden Austausch mit regionalen Akteurinnen und Akteuren war der Saal gut gefüllt – ein deutliches Zeichen für die Aktualität des Themas und den Wunsch, sich gemeinsam mit der Zukunft des Naturschutzes auseinanderzusetzen.
„Wir haben den Barocksaal als Kino umgebaut – für einen gemeinsamen Filmabend und eine Gesprächsrunde mit regionalen Zeitzeugen und Akteuren“, begrüßte Schade die Gäste.
Der Film gebe nicht nur Einblicke in das Leben des alternativen Nobelpreisträgers Prof. Dr. Michael Succow, sondern zeige auch, „was aus einer großen Vision entstehen kann, wenn Menschen Verantwortung übernehmen.“
Besonders hob sie die innovative filmische Umsetzung hervor, die historische Aufnahmen mit neuen visuellen Techniken verbindet.
Der Dokumentarfilm – ausgezeichnet mit dem Publikumspreis der Ökofilmtour 2026 – nahm das Publikum mit auf eine eindrückliche Zeitreise durch zentrale Momente des deutschen Naturschutzes. Dabei wurde deutlich, wie eng persönliches Engagement und politische Umbruchphasen miteinander verbunden sind.
Starke Stimmen und persönliche Perspektiven
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, wie vielfältig die Wege in den Naturschutz sind – und wie entscheidend das Engagement Einzelner bleibt.
Dabei schlug der Abend auch eine direkte Brücke von den im Film dargestellten Ursprüngen des Naturschutzes in Ostdeutschland hin zur Entwicklung der Rhön: Prof. Dr. Michael Succow war als einer der Väter des Nationalparkprogramms der DDR maßgeblich daran beteiligt, dass wertvolle Naturlandschaften – darunter auch die Rhön – unmittelbar nach der politischen Wende unter Schutz gestellt wurden.
Diese Weitsicht bildete die Grundlage für das heutige Thüringer Biosphärenreservat Rhön.
Karl Friedrich Abe, ehemaliger Leiter der Thüringer Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats, erlebte diese Zeit nicht nur als Beobachter, sondern als aktiver Gestalter.
Er knüpfte direkt an die damaligen Entwicklungen an und begleitete den Aufbau und die Ausgestaltung des Biosphärenreservats über viele Jahre hinweg. In der Diskussion betonte er: „Das Biosphärenreservat ist aus dem Engagement vieler Menschen gewachsen.“
Seine eigene Entscheidung, diese Aufgabe zu übernehmen, beschrieb er als prägend: „Diese Zeit war eine ungeheure menschliche Bereicherung – ich würde sie gegen nichts eintauschen.“
Julia Gombert, Leiterin der Natura 2000-Station Rhön, machte ihre persönliche Motivation deutlich: „Mich treibt die Faszination für die kleinen Dinge an – draußen zu stehen und einen Schmetterling zu beobachten, macht einfach glücklich.“
Gleichzeitig verwies sie auf die zentrale Herausforderung: „Das Wichtigste ist, dass wir Lebensräume schützen – nur so können wir dem Artensterben begegnen.“
Mit zahlreichen Angeboten und Projekten setze sie sich dafür ein, Menschen für die Natur zu begeistern und zur aktiven Mitgestaltung einzuladen.
Auch Erik Thürmer, Bürgermeister der Stadt Kaltennordheim und zertifizierter Natur- und Landschaftsführer, unterstrich die Bedeutung des Naturschutzes für alle Lebensbereiche: „Naturschutz spielt in alles mit hinein – in unsere Gemeinden, in die Entwicklung der Region.“
Besonders wichtig sei es, junge Menschen einzubeziehen: „Wir müssen das Wissen weitergeben und die Jugend mitnehmen – Bildungsarbeit bringt die Themen in die Köpfe.“
Philipp Metzler von der Point Alpha Stiftung blickte auf die Zeit der politischen Wende zurück: „Damals kam ein besonderer Moment des Zusammenschlusses – viele kluge Köpfe haben ihr Wissen zusammengebracht.“
Diese Phase bezeichnete er als „Sternstunde“, die bis heute nachwirke, etwa beim Erhalt des Grünen Bandes und in der Bildungs- und Erinnerungsarbeit an historischen Orten wie Point Alpha. Gleichzeitig mahnte er, dass die Folgen des Klimawandels auch in der Region zunehmend sichtbar werden.
Gemeinsames Handeln als Schlüssel
Der Abend machte deutlich: Erfolgreicher Naturschutz ist kein Einzelprojekt, sondern ein Gemeinschaftswerk. Engagement, Fachwissen und Zusammenarbeit über Grenzen hinweg sind entscheidend, um die einzigartige Kulturlandschaft der Rhön zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Der Film und die Diskussion setzten ein klares Zeichen: Veränderung ist möglich – und sie beginnt oft bei Einzelnen, die Verantwortung übernehmen.
Save the Date – weitere Filmvorführungen in Bayern und Hessen
Nach der Vorführung in der Thüringer Rhön wird der Dokumentarfilm „Wie geht Natur?! – Können wir die Welt verändern?“ auch in den beiden weiteren Teilen der länderübergreifenden Rhön gezeigt.
In der bayerischen Rhön findet die Filmvorführung am Dienstag, 20. Oktober 2026, um 18 Uhr im Rhönmuseum Fladungen statt. In der hessischen Rhön ist eine Vorführung für Donnerstag, 29. Oktober 2026, um 19 Uhr im Ulstersaal in Hilders geplant.
Weitere Infos zu den beiden Vorführungen folgen. Weitere Informationen zum Film finden sich unter https://wiegehtnatur.de.




